Wie oft antwortest du auf „Wie geht’s?“ mit „Gut“, obwohl es das gar nicht ist? Eine ehrliche Frage über die Masken, die wir täglich tragen.
Wie oft beantwortest du die Frage „Wie geht’s?“ mit „Gut“, obwohl das gerade gar nicht stimmt? Wie oft lächelst du, obwohl dir eigentlich zum Weinen ist? Und wie oft funktionierst du einfach weiter, obwohl du innerlich schon längst erschöpft bist?
Wenn du dich dabei ertappt fühlst: Du bist damit nicht allein. Vielen Menschen geht es genauso, und sie tragen dabei täglich eine kleine Maske – nicht, weil sie lügen wollen, sondern aus ganz nachvollziehbaren Gründen. Manche wollen niemandem zur Last fallen. Manche haben Angst, schwach zu wirken. Und manche haben schlicht gelernt, dass für ihre Gefühle ohnehin kein Platz war – also verbergen sie sie inzwischen automatisch, ohne groß darüber nachzudenken.
Was dabei oft übersehen wird: Diese Maske kostet Energie. Und zwar nicht wenig. Nicht die Gefühle selbst machen dabei müde – Traurigkeit, Wut oder Erschöpfung an sich sind erst einmal nur Zustände, die kommen und wieder gehen. Müde macht vor allem der ständige Nebenprozess, der parallel läuft: das Kontrollieren der eigenen Mimik, das bewusste Lächeln, das Zurückhalten dessen, was eigentlich raus will. Dieser Nebenprozess läuft oft unbemerkt mit – im Gespräch mit Kolleg:innen, beim Small Talk an der Kasse, sogar in Momenten, in denen man sich eigentlich entspannen könnte.
Auf Dauer summiert sich das. Wer über Wochen oder Monate hinweg ständig eine Fassade aufrechterhält, verbraucht dafür Kraft, die an anderer Stelle fehlt – etwa um tatsächlich zur Ruhe zu kommen oder eigene Bedürfnisse überhaupt erst wahrzunehmen. Das deckt sich mit dem, was wir in unserem Beitrag über mentale Erschöpfung beschrieben haben: Oft merkt man die eigene Überlastung erst dann, wenn man endlich nicht mehr funktionieren muss – und plötzlich alles auf einmal spürt, was vorher weggedrückt wurde.
Die gute Nachricht dabei: Es geht nicht darum, ab sofort jedem gegenüber alles offenzulegen. Es reicht oft schon, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Nicht laut, nicht performativ – einfach nur innerlich anerkennen: Mir geht es heute nicht gut, und das ist okay. Diese kleine Ehrlichkeit dir selbst gegenüber nimmt der Maske schon einen Teil ihres Gewichts, auch wenn nach außen erstmal alles gleich aussieht.
Und falls du merkst, dass du diese Maske schon sehr lange trägst und sie dir kaum noch vom Gesicht rutscht: Das ist ein guter Moment, mit jemandem zu sprechen. Nicht, weil du „nicht stark genug“ wärst, sondern weil – wie wir in unserem Beitrag über das Annehmen von Hilfe beschrieben haben – Hilfe anzunehmen kein Zeichen von Schwäche ist, sondern von Menschlichkeit.
Du musst nicht immer stark sein. Manchmal reicht es, heute einfach ehrlich zu dir selbst zu sein.
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