„Ich kann das nicht.“ „Ich bin es nicht wert.“ Sätze, die wir uns selbst öfter sagen, als wir sie je einem geliebten Menschen sagen würden.
Achte heute mal ganz bewusst darauf, wie du mit dir selbst sprichst. Vielleicht fallen dir Sätze auf wie „Ich kann das nicht“, „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich bin es nicht wert“. Und jetzt die eigentlich entscheidende Frage: Würdest du auch so mit einem Menschen sprechen, den du liebst? Mit einer guten Freundin, einem engen Freund, deinem Kind?
Bei den meisten Menschen lautet die ehrliche Antwort: nein. Niemals würden sie einem geliebten Menschen sagen, was sie sich selbst regelmäßig sagen. Und genau darin liegt eine Erkenntnis, die simpel klingt, aber weitreichend ist: Wir wenden für uns selbst einen Maßstab an, den wir bei niemand anderem akzeptieren würden.
Warum das wichtig ist, zeigt sich, wenn man sich anschaut, was der innere Dialog eigentlich bewirkt. Die Art, wie wir mit uns selbst sprechen, ist kein neutraler Hintergrundgeräusch – sie beeinflusst direkt, wie wir uns fühlen und was wir langfristig über uns selbst glauben. Wer sich immer wieder sagt „Das schaffe ich sowieso nicht“, wird diesen Satz irgendwann nicht mehr hinterfragen, sondern als Tatsache behandeln. Nicht, weil er stimmt, sondern weil er oft genug wiederholt wurde. Je härter der innere Ton, desto mehr setzt sich dieser Ton als vermeintliche Wahrheit fest.
Das bedeutet nicht, dass man sich alles schönreden oder unangenehme Wahrheiten ignorieren sollte. Es geht um etwas anderes: um den Ton, nicht um den Inhalt. Ein Fehler bleibt ein Fehler – aber „Das war jetzt blöd gelaufen, das nächste Mal mache ich es anders“ ist etwas grundsätzlich anderes als „Ich bin einfach zu dumm dafür“. Beide Sätze beschreiben dieselbe Situation. Nur einer davon lässt Raum für Weiterentwicklung, der andere verurteilt die ganze Person.
Selbstmitgefühl bedeutet also nicht, sich selbst gegenüber nachsichtig im Sinne von unehrlich zu sein. Es bedeutet, sich selbst mit derselben Freundlichkeit zu begegnen, die man ganz automatisch anderen Menschen entgegenbringt – der man ohnehin täglich zugesteht, Fehler zu machen, unsicher zu sein oder einen schlechten Tag zu haben.
Ein kleiner, aber wirksamer erster Schritt: Wenn du das nächste Mal merkst, dass ein harter Satz über dich selbst auftaucht, halte kurz inne und frag dich: Würde ich das auch zu jemandem sagen, den ich liebe? Wenn nicht, ist das ein Hinweis, den Satz zu überdenken – nicht, weil er verboten wäre, sondern weil er wahrscheinlich nicht so stimmt, wie er sich gerade anfühlt.
Du verdienst dieselbe Freundlichkeit, die du täglich anderen schenkst. Das gilt auch dann, wenn gerade niemand zuschaut – vor allem dann.
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